Fort- und Weiterbildungen für Existenzgründer und Führungskräfte aus Kleinen und Mittelständischen Unternehmen

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Fremdkapital

Eine Finanzierung durch Fremdkapital ist nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil, die Fremdfinanzierung ist sogar die häufigste Form der Kapitalbeschaffung für Existenzgründer. Zu den bekanntesten Fremdfinanzierungen gehören die unterschiedlichen Kreditmodelle, Leasing und Factoring. In den folgenden Abschnitten stellen wir Ihnen die Finanzierungsmodelle ausführlich vor.

Es gibt auch noch weitere Fremdfinanzierungsformen wie das Risikokapital. Da aber die meisten Existenzgründer so gut wie keine Chance haben, an derartige Gelder zu kommen – in der Regel muss die Aussicht auf mindestens eine Mio. Euro Umsatz bestehen –, wird auf eine Erläuterung verzichtet.

Kredite

Um einen Kredit zu erhalten, müssen Sie in den Augen der jeweiligen Bank kreditwürdig sein. Ob Sie kreditwürdig sind, zeigt wiederum eine so genannte Kreditprüfung (Basel II Rating). Diese beinhaltet nicht nur eine genaue Evaluierung Ihrer dargebotenen Sicherheiten (Eigenkapital, Bürgschaften, Businessplan etc.), sondern auch eine Bewertung Ihres Gründungsvorhabens nach bestimmten Kriterien. Nicht unerheblich für die Beurteilung sind Ihre unternehmerischen Qualifikationen, Ihre Führungsqualitäten sowie Ihr gesamtes Auftreten, weshalb Sie sich ausgesprochen gut auf die Verhandlungen mit der Bank vorbereiten sollten. (Tipps und Hinweise dazu finden Sie im Abschnitt Bankgespräche.)

Jedes Kreditinstitut hat seine individuelle Ausrichtung. Es ist daher wichtig, dass Sie sich eine Bank aussuchen, die zu Ihrem Vorhaben passt. Statten Sie zuerst Ihrer Hausbank einen Besuch ab, denn dort kennt man Sie bereits und weiß Sie besser einzuschätzen. Sprechen Sie mit Ihrem dortigen Ansprechpartner und prüfen Sie, ob sich dieser mit Ihrer Branche und dem dazugehörigen Markt auskennt. Informieren Sie sich über die angebotenen Kreditmodelle und schrecken Sie nicht davor zurück, die Leistungen und Konditionen mit anderen Kreditinstituten zu vergleichen. Treten Sie rechtzeitig in Verhandlung mit den Banken und denken Sie daran, öffentliche Finanzierungshilfen fristgemäß zu beantragen.

Grob gesehen lassen sich die verschiedenen Kreditmodelle in kurz- und langfristige Finanzierungen unterteilen. Zu den wichtigsten kurzfristigen Finanzierungsinstrumenten zählen der Dispositionskredit, der Saisonkredit und der Lieferantenkredit. Zu den langfristigen gehören unter anderem der Investitions- und der Privatkredit.

Beim Dispositionskredit dürfen Sie Ihr Geschäftskonto bis zu einem bestimmten Betrag überziehen. Für gewöhnlich wird hierbei keine bestimmte Laufzeit festgelegt; die Höhe des Kreditrahmens kann sich allerdings von Zeit zu Zeit ändern – je nachdem, wie hoch Ihre Ein- und Auszahlungen sind. Bedenken Sie, dass der Dispositionskredit nur in Notfällen in Anspruch genommen werden sollte, da die damit verbundenen Zinsen ungefähr 13 Prozent p.a. betragen und somit zu den höchsten Zinssätzen überhaupt gehören. Den Dispositionskredit sprechen Sie mit Ihrer Hausbank ab.

Der Saisonkredit eignet sich vor allem für diejenigen Unternehmungen, die nur in einem bestimmten Jahresabschnitt agieren können – z.B. für Verkäufer von Eiswaren. Er wird für circa zwei bis vier Monate gewährt und kann innerhalb dieses Zeitraums voll ausgeschöpft werden. Am Ende der jeweiligen Saison muss er in voller Höhe zurückgezahlt werden. Die Konditionen des Saisonkredits sind weitaus günstiger wie die des Dispositionskredits.

Dem Lieferantenkredit liegt keine Verhandlung mit der Bank, sondern das Geschäft mit einem Händler zugrunde, weshalb er auch ein wenig aus dem Raster fällt. Hierbei gewährt Ihnen der Händler eine bestimmte Zahlungsfrist, die in der Regel 30 Tage beträgt. In diesem Zeitraum verfügen Sie bereits über die Ware, ohne sie bezahlt zu haben, was bei Ihnen eine verbesserte Liquidität zur Folge hat. Um den Anreiz des schnellen Bezahlens zu erhöhen, räumen viele Händler einen Barzahlerrabatt in Höhe von zwei Prozent ein. Dieser wird auch Skonto genannt.

Beim Investitionskredit stellt Ihnen Ihre Bank für einen Zeitraum von fünf bis zwanzig Jahren eine bestimmte Summe Geld zur Verfügung. Die Zinssätze ergeben sich einerseits aus der Höhe und der Laufzeit des aufgenommenen Kredits, andererseits aus der Bonitätseinstufung (Kreditwürdigkeit) Ihres Vorhabens; sie sind aber immer niedriger als beim Dispositionskredit. Da es bei dem Investitionskredit einen gewissen Verhandlungsspielraum gibt, sollten Sie mit Ihrer Bank über die Konditionen sprechen. Es empfiehlt sich außerdem, mit dem Institut eine gleich bleibende Ratenzahlung bzw. einen tilgungsfreien Zeitraum zu vereinbaren. Auf diese Weise ist es Ihnen möglich, Zahlungsengpässe in der Anlaufzeit unbeschadet zu überstehen.

Ähnliches gilt auch für den Privatkredit. Unterschiede zum Investitionskredit bestehen allerdings dahingehend, dass der Kreditbetrag um einiges niedriger ausfällt und dass Sie kaum oder gar keine Sicherheiten benötigen. Der Privatkredit eignet sich beispielsweise zum Erwerb einer neuen EDV-Anlage oder eines Gebrauchtwagens.

Leasing

Leasing ist eine durchaus lohnenswerte Finanzierungsalternative, wenn Ihr Eigen- bzw. Fremdkapital nicht ausreicht, alle erforderlichen Investitionen zu tätigen. Leasing bedeutet, dass Sie die Anlagegüter nur anmieten, weshalb der Leasinggeber, also derjenige, der die Güter vermietet, auch faktischer Eigentümer bleibt. Falls Sie sich tatsächlich für Leasing entscheiden, werden Ihnen die mit dem Anlagegut verbundenen Rechte, Pflichten und auch Risiken übertragen. Zu den Objekten, die geleast werden, gehören unter anderem Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge und EDV-Ausstattungen.

Der größte Vorteil des Leasings ist es, dass Sie die Anfangsinvestitionen in monatlichenLeasingraten abzahlen können und dass dadurch Ihre Liquidität gestärkt wird. Darüber hinaus bleiben die Investitionsgüter kürzer in Ihrem Unternehmen, weshalb Sie nicht Gefahr laufen, eine veraltete Technik zu verwenden. Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass Ihre Kreditsicherheiten unberührt bleiben. Da Zusatzleistungen wie Wartung und Versicherungen in den Leasingraten enthalten sind, ist es Ihnen möglich, exakter zu kalkulieren.

Diesen Vorteilen stehen natürlich auch einige Nachteile gegenüber. Wenn Sie Gegenstände leasen, erhöhen Sie nicht nur Ihre monatlichen Fix- und Nebenkosten, sondern binden sich auch langfristig an Leasingverträge. Sie sollten Leasing vor allem dann in Betracht ziehen, wenn Sie nur über geringe Eigenmittel verfügen oder eine Vergrößerung Ihres Unternehmens planen. Achten Sie deshalb darauf, wie hoch die Nebenkosten (Versicherungen) ausfallen und welchen Restwert die Anlagegüter haben, nachdem Sie in Ihrem Gebrauch waren.

Bedenken Sie, dass Leasing kein Rettungsanker für kranke Unternehmen ist. Befindet sich Ihre Unternehmung in einer Schieflage, müssen Sie damit rechnen, dass die Leasing-Gesellschaft wenig Interesse hat, mit Ihnen Geschäfte zu machen.

Factoring

Factoring bedeutet, dass Sie offene Forderungen an eine Factoring-Bank verkaufen. Da die Bank die Forderungen sofort bezahlt, kommen Sie schneller an Ihr Geld, was Ihre Liquidität verbessert. Sie bekommen Ihre Forderungen jedoch nicht in voller Höhe, wenn Sie eine Factoring-Bank in Anspruch nehmen. Die Abzüge betragen für gewöhnlich zehn bis 15 Prozent, was deutlich über dem Prozentsatz der meisten Kredite liegt. Dafür trägt die Factoring-Bank das volle Risiko.

Neben der Erhöhung Ihrer Liquidität und der damit verbundenen Möglichkeit, Skontofristen effektiver zu nutzen, birgt Factoring noch einige weitere Vorteile. Da die Factoring-Bank nach Absprache mit Ihnen die Verwaltung der Forderung übernimmt, haben Sie nicht nur die Möglichkeit, Personalkosten einzusparen, sondern auch, Forderungsausfällen vorzubeugen. Außerdem verbessern Sie Ihr wirtschaftliches Standing, da die Beträge von der Factoring-Bank pünktlich und schnell bezahlt werden.

Aktualisiert am 10. September 2014